Irrgarten klein – Irrgarten groß

Komme ich mit Rollator und Rollstuhl in ihn hinein, so komme ich auch wieder herraus. Vorausgesetzt man verirrt sich nicht.

Drei Bad Driburger haben es gewagt den Irrgarten an der Gräfin Margarete Allee im Gräflichen Park zu betreten. Besser gesagt zu befahren. „Wenn ich das meiner Frau sage, wo ich heute war?“ teilte der ältere Besucher den beiden anderen mit: „Die glaubt mir das nie!“ Inge und Alexander haben ihn überredet mitzukommen, um einmal das Kunstwerk „Kopf über Körper“ aus nächster Nähe zu betrachten. „Mann, das war toll, allein hätte ich mich da niemals hineingewagt!“ Die Gruppe um pro barrierefrei versucht ständig zunächst aus eigener Kraft aus so manchem Irrgarten voller Barrieren herauszufinden.

hineingefunden – herrausgefunden
Archivbild – Am Ziel dem Kunstwerk „Kopf über Körper von Michael Sailstorfer im Zentrum des Irrgarten. Der Aufgang wurde mittlerweile nutzerfreundlicher mit Handlauf erneuert.


Wo ist der Ausweg?

Wo ist der Ausweg im Dschungel der Möglichkeiten?

War dar kürzlich ein Mitglied der Gruppe, welches aus Ihrer Wohnung nicht selbstständig mehr hinaus fand. Der Aufzug war viel zu klein. Das Verlassen der Wohnung erschien zunehmend schwieriger. Teilweise unmöglich. Finanziell war ein Umzug nicht so einfach zu stemmen. „Hast du es einmal der Krankenkasse mitgeteilt? Eventuell dient ein Umzug der sogenannten Wohnumfeldverbesserung, deren Finanzierung von der Krankenkasse bis zu 4000 Euro bezuschusst wird, sofern du in einem Pflegegrad eingestuft bist“, so ein weiteres Mitglied der Bad Driburger Selbshilfegruppe. Gesagt, getan könnte man fast sagen. Mittlerweile ist die neue Wohnung bezogen und die Selbstständigkeit, die Wohnung zu verlassen wurde weitestgehend wieder hergestellt.


Irrgarten ganz groß

Blick vom „Kopf über Körper“ von Michael Sailstorfer

Der Gräfliche Park ist in Sachen Barrierefreiheit nach wie vor ein großer Irrgarten. Wie komme ich in die Wandelhalle? Wie zur Toilette? Wo ist eine barrierefreie Toilette? Wie gelange ich zur Ebene des Rosengarten? Hinweisschilder sucht man vergebens.

Treppen waren für diese Gäste sicherlich kein Hindernis

Was für Menschen, die gut zu Fuß sind, die keine Probleme mit dem Stoffwechsel oder mit der Verdauung haben, überhaupt kein Problem darstellt, ist für beeinträchtigte Besucher und Kurgäste oftmals eine wirklich stressige Angelegenheit. So musste kürzlich ein Ehepaar, zur Gast in der Markusklinik, im wahrsten Sinne des Wortes „getrennte Wege“ gehen.

Als ein heimischer Parkbesucher sich mit seinem Rollstuhl dem Rosenpavilion näherte, begrüßte ihn die nun von ihrem Mann getrennte Dame mit den Worten: „Wie sind Sie denn hier hineingeflogen?“ Als dieser auf den Weg hinter sich zeigte, konnte sie aufgrund der Neigung die versteckte Auffahrmöglichkeit nicht erkennen. „Meinen Mann musste ich leider dort unten lassen…“ Die überraschte Frau winkte daraufhin ihrem allein gelassenen Mann zu. Diesen Weg kannte sie überhaupt nicht. Er ist auch ein recht großer Umweg zur Rosengartenanlage.

Wo geht es zur Toilette?

Ein Patient der Rosenbergklinik war in Nöten und suchte ein WC, das berichtet ein ehemaliger Kurgast der emsigen Gruppe, die sich ehrenamtlich um den Abbau von Barrieren im öffentlichen Raum sowie im privaten Umfeld bemüht. Erst ein Gärtner, so der enttäuschte Gast, der zufällig am Wegesrand arbeitete, konnte ihm den kürzesten Weg aufzeigen. Dies schrieb er auch auf den Fragebogen, den die Klinik ihm auf sein Zimmer legte. Er war regelrecht enttäuscht von diesem Kurbad, so sein Statement der Selbshilfegruppe gegenüber.

pro barrierefrei beim Hausherrn zu Gast

Bereits im Frühjahr besuchte die Gruppe pro barrierefrei den Hausherren, Marcus Graf von Oeynhausen-Sierstorpff. Ihm hatte die Gruppe von diesen Problemen berichtet und er versprach für Abhilfe zu sorgen.

Eine großräumige WC Anlage für Rollstuhlfahrer

Er zeigte uns damals die neue barrierefreie Toilette in der Wandelhalle. Einzig das Problem, sie zu finden. Es gleicht eben einem Irrgarten. Schon den passenden Eingang zur Wandelhalle zu finden ist abenteuerlich.

Behinderte müssen hinten rum. Das linke Portal wäre ideal um auch Gäste mit Rollator und Rollstuhl den Zugang zur Trink- und Wandelhalle zu ermöglichen.

Wer ahnt, dass er als Gast den Hintereingang nehmen muss, deren Türe fast zu schmal ist und nur mit fremde Hilfe zu öffnen bzw. zu schließen ist. Das vordere nivaugleiche Portal ist ständig verschlossen. Auch einen Taster für eine Automatiktür sucht man hier vergebens. Mühsam helfen sich ältere Gäste, ofmals selbst unsicher auf den Beinen gegenseitig den Rollartor die Stufen hinunter zu manövrieren.

Aber findet man sie erst einmal, die Lösung, den Ausweg, findet man auch wieder zurück in die Teilhabe und ist allzuoft sichtlich erleichtert!😉

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