Am 6. Tag der Projektwoche sollte es mit der durch die Projektleiterin und den ABiMV organisierten Unterstützung in den Nationalpark Müritz gehen. Wir waren gespannt, inwieweit diese bekannte und viel besuchte Touristenattraktion bereits barrierefrei für jeden weitestmöglich zugänglich ist.


Die erste Hürde zeigte sich bereits während der Planung: Da die Nationalparkbusse nur jeweils einen Rollstuhl aufnehmen können und Reservierungen nicht vorgenommen werden, nahmen wir von unserem ursprünglichen Wunsch, den gesamten Nationalpark zu erkunden, schnell Abschied, denn durch die stark eingeschränkte Akkuleistungen der Elektrorollstühle waren wir auf die Busse angewiesen.


Wir konzentrierten uns daraufhin auf einige wenige Attraktionen, die von Waren bzw. Neustrelitz aus ohne Bus erreichbar sind und Barrierefreiheit versprachen:


Da die rund sieben Kilometer lange Strecke Waren – Federow – problemlos durch die Akkuleistung des zweiten E-Rollstuhl möglich war, wollten wir zudem die Seeadler in Federow besuchen. Der ABiMV bot uns für den schweren 2. E-Rollstuhl freundlicherweise eine Mitfahrmöglichkeit in dem rollstuhlgerechten Transporter bis Federow an.


Nicht bedacht hatten wir, dass die Seeadler, welche wir uns ansehen wollten, nur per Kamera zu beobachten sind. Alternativ buchte die Gruppe daraufhin eine – so hieß es – barrierefreie Seerundfahrt mit der „Diana“.


Hierfür wurden telefonisch zwei Rollstühle angemeldet. Dass die Diana nicht wirklich barrierefrei ist, zeigte sich schnell. Zwar konnte ein Zwischendeck über eine stabile Rampe erreicht werden, doch machte eine hohe Kante zum Fahrgastraum eine zusätzliche mobile Rampe notwendig, die erst mühsam herbeigetragen werden musste. Diese Rampe hinunter in den eigentlichen Fahrgastraum erwies sich als für schwere Elektrorollstühle kaum befahrbar, da zu steil. Auch die angekündigte Rollstuhltoilette erfüllte die Anforderungen kaum. Zwar war die Tür ausreichend breit, doch der Raum war mit Reinigungsutensilien und weiteren Gegenständen vollgestellt, so dass ein problemloses Rangieren mit dem Rollstuhl nicht möglich war.


Während der Schiffsfahrt verließ einer der rollstuhlgebundenen Teilnehmer dann auch genervt Schiff und Reisegruppe in der Hoffnung, als einziger Rollstuhlfahrer den Nationalpark mit dem Bus weiter erkunden zu können. Da für Rollstuhlfahrer keine verbindliche Aussage getroffen werden, ob ein Bus mit Fahrradtransport gleichzeitig auch Rollstühle befördert, auch dies ein Glücksspiel – das unser Gruppenmitglied in diesem Fall glücklicherweise gewann.

Fazit:


Die Untersuchung der Barrierefreiheit im Nationalpark Müritz zeigt eine erhebliche Diskrepanz zwischen theoretischen Angeboten und der praktischen Umsetzung. Bereits die infrastrukturellen Rahmenbedingungen erschweren die Gruppenreise für Rollstuhlnutzer massiv, da Kapazitäten zu gering und Reservierungen nicht möglich sind. Die als barrierefrei beworbene Attraktion Müritz-Seerundfahrt mit der „Diana“, erwiesen sich als unzureichend bzw. im Falle schwerer Elektrorollstühle sogar als gefährlich. Als positiv hervorzuheben ist das Angebot „Kutschfahrt mit Rollstuhl“ ab Boek.


Insgesamt wurde deutlich, dass Barrierefreiheit nicht allein durch vorhandene Rampen oder ausreichend breite Türen gewährleistet ist. Notwendig sind zudem durchgehend zugängliche Wege, geeignete Toiletten, sichere Einstiegsmöglichkeiten, verlässliche Informationen und verbindliche Reservierungsmöglichkeiten.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass uns eine echte Teilhabe am Naturerlebnis Müritz derzeit nur mit extremem Planungsaufwand, erheblichen Kompromissen oder dem Verzicht auf Hilfsmittel möglich scheint.

probarrierefrei
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