Der siebte Tag der Projektwoche begann mit einem gemeinsamen Frühstück, um anschließend den trockenen Vormittag zu nutzen, Neustrelitz mit Schlosspark, Schlossanlage und Innenstadt zu erkunden. Wie bereits bei der Hinfahrt wurden die Koffer durch ein Taxiunternehmen direkt zum Bahnhof transportiert, wodurch die Gruppe den Vormittag ohne Gepäck in Neustrelitz verbringen konnte – eine große Erleichterung für alle Beteiligten.

Am Bahnhof Neustrelitz begeisterte die moderne Toilettenanlage: Auch wenn ihre Funktionsfähigkeit nicht getestet wurde, machte die Anlage einen neuen und gepflegten Eindruck. Am Bahnhof zeigte sich zudem, dass die Bauarbeiten endlich abgeschlossen waren, welche unsere Protestaktionen dadurch erheblich erschwert hatten, dass die Verbindung Berlin – Rostock während unseres gesamten Aufenthaltes nur im Zweistundentakt hatte bedient werden können. Die Gleise 3 und 4 waren vom 03.05. – 09.05. durchgehend gesperrt, weshalb der gesamte Verkehr in dieser Woche über Gleis 2 abgewickelt werden musste. Nun fuhren die Züge in Richtung Rostock und Berlin wieder stündlich. Die Reise eine Woche später wäre sicherlich deutlich entspannter verlaufen.

Während unseres Rundgang zeigte sich wieder die große Herausforderung, die historische Städte – selbst viel besuchte Touristenattraktionen – für eine Barrierefreiheit darstellen: Rund um den großen Marktplatz dominiert schwer befahrbares Kopfsteinpflaster – für Rollstuhlfahrer/Innen nur mit großer Anstrengung befahrbar. Auf dem weitläufigen Marktplatz suchten wir zudem vergeblich durchgehende, ausreichend breite barrierearme Querungsmöglichkeiten. Eine befestigte Spur oder ein barrierefreier Weg in Kreuzform würde hier helfen. Zusätzlich suchten wir in der Innenstadt und rund um den Marktplatz vergeblich Hinweise auf barrierefreie Toiletten. Erst durch Nachfrage bei Passanten fand die Gruppe die barrierefreie Toilettenanlage an der Touristeninformation. Diese war dann leider ab 12 Uhr nicht mehr zugänglich. Eine gute Ausschilderung und dauerhaft zugängliche barrierefreie Sanitäranlagen sind unverzichtbar für eine barrierefreie Stadtgestaltung.


Der weitere Weg führte uns in den Schlosspark Neustrelitz. Dieser beeindruckt mit seiner historischen barocken Anlage und seiner besonderen Atmosphäre. Leider fehlten auch hier Orientierungshilfen für Rollstuhlfahrer nahezu vollständig, was den Besuch für mobilitätseingeschränkte Besucher/Innen unnötig kompliziert macht. Enttäuschend war zudem, dass die Wasserspiele trotz sonnigen Wetters am 9. Mai noch nicht in Betrieb waren. Auch Orangerie, Schloss- und Stadtkirche, die laut Informationen hätten geöffnet sein sollen, fanden wir verschlossen vor.

Die Rückfahrt verlief dann wunderbar problemlos. Finn unterstützte Alexander beim Einstieg mit dem Rollstuhl in den Zug, während Alexander selbst die wenigen Stufen vor dem Einstieg bewältigte. Kurz darauf wurde auch Cordula gemeinsam mit ihrem Rollstuhl und Bonny auf dem Schoß per Hublift sicher in den Zug gebracht. Im ICE standen zwei reservierte Rollstuhlstellplätze zur Verfügung, und besonders positiv wurde die große, saubere und funktionierende Rollstuhltoilette bewertet. Beides sorgte dafür, dass die Fahrt entspannt verlief. In Göttingen empfingen freundliche Mitarbeitende der Deutschen Bahn unsere Reisegruppe direkt am Zug und begleiteten uns zum Anschlussgleis der NordWestBahn Richtung Ottbergen/Bad Driburg.

Fazit:

Der letzte Tag war eine Reise der Gegensätze: Wir genossen die historische Schönheit Neustrelitz und die Erleichterung über eine endlich baustellenfreie Bahnanbindung, mussten aber gleichzeitig schmerzlich feststellen, wie mühsam die Erkundung einer historischen Stadt ohne echte Barrierefreiheit ist. Von den tückischen Kopfsteinpflastern über fehlende Orientierungshilfen, unzureichende Ausschilderung bis hin zu einer eingeschränkten Zugänglichkeit der Toiletten und verschlossenen Toren auch im Schlosspark – der Weg war oft steinig und erschwert mobilitätseingeschränkten Menschen den Besuch. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, historische Stadtkerne und Touristenattraktionen konsequenter an die Anforderungen der Barrierefreiheit anzupassen.

Umso schöner war der Ausklang der Reise: Eine entspannte Rückfahrt im ICE und die freundliche Unterstützung durch das Bahnpersonal ließen uns die Projektwoche mit einem positiven Gefühl beenden.

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