Konstruktiver Austausch zur Barrierefreiheit in Bad Driburg

Bad Driburg. Zu einem ausführlichen Gespräch trafen sich Vertreter des Vereins pro barrierefrei e.V. mit Bürgermeister Tobias Tölle im Rathaus von Bad Driburg. Seitens der Stadt nahm zudem Kulturdezernent Uwe Damer teil. Für pro barrierefrei e.V. waren Barbara Herzog (2. Vorsitzende), Julia Hansmeyer (Antidiskriminierungsbeauftragte der Diakonie Paderborn-Höxter), Alexander Bieseke (Pressesprecher) sowie im weiteren Verlauf Wilk Spieker (1. Vorsitzender) anwesend.

Zu Beginn wurde vom Ortstermin am Vormittag in der Driburg Therme berichtet. Barbara Herzog, Julia Hansmeyer und Alexander Bieseke waren dort auf Einladung von Betriebsleiter Ansgar Potthast vor Ort. Nach über sechsjährigem Einsatz ist hier ein wichtiger Fortschritt erreicht worden: Die Stadt und die Therme haben hauseigene Rollstühle – auch für schwerere Badegäste – angeschafft. Zudem wurde zugesichert, Gäste mit Unterstützungsbedarf nach Möglichkeit so zu begleiten, dass ein Besuch des Thermalbades künftig auch ohne eigene Begleitperson möglich wird. Dies sei ein bedeutender Schritt für mehr Teilhabe und Inklusion.


Ein zentrales Thema war darüber hinaus die Barrierefreiheit im gesamten Stadtgebiet – anknüpfend an Gespräche vor der Wahl.

Deutlich angesprochen wurde der mangelhafte Winterdienst in den vergangenen Wochen. Viele Menschen mit Behinderungen hätten ein regelrechtes Spießroutenlaufen erlebt, da zahlreiche Gehwege nicht geräumt gewesen seien. In einzelnen Fällen sei es zu Stürzen und Unfällen gekommen. Bürgermeister Tölle und Uwe Damer betonten, dass die Zahl der Beschwerden so hoch gewesen sei wie lange nicht mehr. Kritisch wurde angemerkt, dass sich zu viele Grundstückseigentümer ihrer Räum- und Streupflicht entzögen. Auch wenn diese Aufgabe auf Mieter übertragen werde, bleibe der Eigentümer letztlich verantwortlich.

Auch das Freibad wurde thematisiert – insbesondere das Fehlen eines geeigneten barrierefreien WCs und eines Lifters. Kulturdezernent Uwe Damer berichtete in diesem Zusammenhang, dass Fördermittel für einen barrierefreien Umbau beantragt worden seien. Diese umfassen unter anderem Maßnahmen im Bereich der Nasszellen sowie der Umkleiden. Der Verein begrüßt diesen Schritt ausdrücklich und hofft auf eine positive Förderzusage, damit auch hier zeitnah spürbare Verbesserungen umgesetzt werden können.

Neu angestoßen werden soll das Projekt „Toilette für alle“. Nach Vorstellung des Vereins könnte der ehemalige Touristikpavillon ein geeigneter Standort sein. Die Immobilie gehört der Stadt und liegt zentral – in unmittelbarer Nähe zum Gräflicher Park, zum neuen Eggelandpark, zum Bahnhof sowie zur Innenstadt von Bad Driburg. Ein barrierefreies WC für alle an dieser Stelle wäre aus Sicht des Vereins ein starkes Signal für gelebte Inklusion.
Auch der Zugang von der Brakeler Straße zum Bahnhof wurde angesprochen.

Ein weiteres Zukunftsthema ist die Idee eines Wohnprojektes für Menschen mit CFS (Chronisches Fatigue-Syndrom / Myalgische Enzephalomyelitis). CFS ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die mit extremer körperlicher und geistiger Erschöpfung einhergeht und Betroffene stark in ihrer Lebensführung einschränkt. Ein spezialisiertes Wohnprojekt könnte den Gesundheitsstandort Bad Driburg sinnvoll ergänzen und ein zusätzliches Profilmerkmal darstellen. Möglicherweise könne dies auch ein Thema für die UGOS, hier der Standort Bad Hermannsborn sein.

Kritisch diskutiert wurde zudem die Situation der Musikschule, die derzeit nicht barrierefrei erreichbar ist. „Das Kind ist nun in den Brunnen gefallen“, so Alexander Bieseke. Gleichzeitig hoffe man, dass sich eine der UN-Behindertenrechtskonvention diametral entgegenlaufende Entscheidung künftig nicht wiederhole. Gerade für einen Bildungsstandort sende dies ein problematisches Signal – insbesondere in Zeiten, in denen Inklusion zunehmend an Bedeutung gewinne. Auch wenn der damalige Umzug aufgrund einer Radonbelastung im vorherigen Gebäude dringend notwendig gewesen sei, hätte ein nicht barrierefreier Standort aus Sicht des Vereins nicht realisiert werden dürfen. Ob ein außenliegender Aufzug nachträglich installiert oder perspektivisch ein Umzug in ein neues Grundschulgebäude möglich ist, blieb offen. Das Signal für einen inklusiven Bildungsstandort sei derzeit jedoch fatal.

Das Gespräch wurde von allen Beteiligten als offen und konstruktiv beschrieben. Man wolle im Austausch bleiben und gemeinsam daran arbeiten, Barrieren weiter abzubauen und Bad Driburg Schritt für Schritt inklusiver zu gestalten.

Titelbild: Obere Reihe: Julia Hansmeyer und Wilk Spieker,  untere Reihe: Barbara Herzog und Alexander Peter, rechts Bürgermeister Tölle und Kulturdezernent Uwe Damer

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