Autor: Alexander Bieseke
Neustrelitz
Am 3. Mai begann die Inklusionsfahrt nach Neustrelitz. Bereits die Anreise machte deutlich, wie unterschiedlich Barrierefreiheit im Reisealltag umgesetzt ist – mit positiven Beispielen, aber auch erkennbaren Herausforderungen.
Die Fahrt startete in Bad Driburg, wo es zunächst zu einer rund 20-minütigen Verspätung der Nordwestbahn kam. Dadurch geriet der geplante Anschluss in Göttingen unter Druck. Durch eine kurzfristige Umorganisation wurde der Zug jedoch von Gleis 7 auf Gleis 8 verlegt, sodass der Übergang zum ICE nach Berlin am selben Bahnsteig möglich war. Auf diese Weise konnte die Reise planmäßig fortgesetzt werden.

Im Fernverkehr zeigte sich ein insgesamt positives Bild. Der Speisewagen war mit einem großen Rollstuhl gut zugänglich, ebenso die barrierefreie Toilette im selben Abteil. Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung durch die Zugbegleiterin im ICE nach Berlin, die beim Verladen der Koffer half und sich insgesamt sehr freundlich, aufmerksam und kompetent zeigte.
Ein besonderer Moment des Tages war zudem die Premiere von Bonny, der Pudeldame und Assistenzhündin von Cordula. Bonny saß dabei auf dem Schoß von Frauchen Cordula, während der Einstieg in den ICE über den Hublift erfolgte. Ein weiterer Rollstuhl wurde parallel von Finn für Alexander in den ICE verladen. Beide Abläufe funktionierten reibungslos und zeigen anschaulich, wie Teamarbeit und technische Hilfsmittel Teilhabe konkret ermöglichen können.
Die Weiterfahrt vom Berliner Hauptbahnhof nach Neustrelitz mit dem Regionalexpress RE 5 (Richtung Rostock) verlief hingegen weniger reibungslos. Ein sehr hohes Fahrgastaufkommen führte zu Verzögerungen beim Einstieg. Dabei waren die vorgesehenen Rollstuhlplätze nicht unmittelbar verfügbar und mussten zunächst freigemacht werden.
Zusätzlich war der Zug ausschließlich mit dem Lokführer besetzt, da sich der zuständige Zugbegleiter krankgemeldet hatte. Der Lokführer musste somit neben seiner eigentlichen Aufgabe auch organisatorische Hinweise geben, konnte jedoch naturgemäß keine umfassende Betreuung leisten. Diese Situation verdeutlicht die Bedeutung ausreichender personeller Besetzung im Fahrgastbetrieb.
In diesem Zusammenhang ergab sich auch ein fachlicher Austausch mit einer mitreisenden Architektin. Sie suchte gezielt das Gespräch zum Thema barrierefreie Gestaltung, insbesondere zur Frage, wie Rampen als Bestandteil von Notausgängen in öffentlichen Gebäuden sinnvoll integriert werden können. Ein weiterführender Austausch wurde vereinbart.
Trotz der erschwerten Bedingungen funktionierte der Ausstieg in Neustrelitz gut. Durch gegenseitige Unterstützung vor Ort konnte dieser zügig organisiert werden. Die Ankunft erfolgte mit rund 40 Minuten Verspätung.
Für die Strecke vom Bahnhof zur Unterkunft – etwa 1,5 Kilometer – wurde ein Taxi genutzt. Dieses diente in erster Linie dem Transport des Gepäcks zum Hotel, während ein Teil der Gruppe den Weg eigenständig zurücklegte.
Ziel war das Parkhotel Fasanerie.
Am Abend besuchte ein Teil der Gruppe das Restaurant „Taj Mahal“ am Markt. Der Zugang war über einen barrierefreien Hintereingang möglich. Eine barrierefreie Toilette stand jedoch nicht zur Verfügung. Als Anregung wurde vor Ort der Hinweis gegeben, zumindest Haltegriffe an einem WC anzubringen, um die Nutzbarkeit zu verbessern. Darüber hinaus wurde empfohlen, am Haupteingang eine gut sichtbare Klingel zu installieren, die im Innenbereich ein Signal auslöst. So könnte das Personal den Zugang über den Hintereingang gezielt ermöglichen und die Barrierefreiheit im Alltag verbessern.
Auch der erste Eindruck der Stadt Neustrelitz wurde reflektiert. Die barock angelegte Stadt mit ihren historischen Gebäuden bietet ein ansprechendes Stadtbild, ist jedoch durch zahlreiche Stufen geprägt. In vielen Geschäften fehlen ebenerdige Zugänge, Rampen oder Hublifte. Dies zeigt, dass insbesondere im historischen Bestand weiterhin Anpassungsbedarf besteht, um Teilhabe umfassend zu ermöglichen.
Der erste Reisetag endete mit einem gemeinsamen Ausklang am Hafen von Neustrelitz, bei dem die Eindrücke des Tages in ruhiger Atmosphäre reflektiert wurden.
Fazit des ersten Tages:
Die Anreise nach Neustrelitz verdeutlicht, dass Barrierefreiheit in Teilbereichen bereits gut umgesetzt ist, gleichzeitig jedoch weiterhin strukturelle und organisatorische Herausforderungen bestehen. Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention bleibt die konsequente Weiterentwicklung barrierefreier Infrastruktur und Angebote eine fortlaufende Aufgabe.









