Autor: Alexander Bieseke
Waren (Müritz)
Mit 8 Minuten Verspätung starteten wir in den Tag. Im RE5 wurden wir direkt von einem Bahnmitarbeiter angesprochen – allerdings alles andere als freundlich. Statt Unterstützung gab es zunächst eine kritische Nachfrage, ob unsere Rollstuhlfahrt angemeldet sei. Was sie eigentlich nicht hätte sein müssen. Dennoch verlief die Fahrt letztlich ohne größere Probleme.
In Waren angekommen, zeigte sich direkt ein großer Pluspunkt: barrierefreies Aussteigen dank passender Bahnsteighöhe an Gleis 1
Empfangen wurden wir von Hanni Rossek, Vorsitzende des ABiD Mecklenburg-Vorpommern. Sie stellte uns zunächst den modernen Bahnhof vor, der vor drei Jahren eröffnet wurde und konsequent auf Rampen statt Aufzüge setzt – ein durchdachtes Konzept, da diese deutlich weniger störanfällig sind.
Erste Eindrücke der Stadt: Sauberkeit auch am Bahnhof, kurze Wege und viele barrierearme Lösungen im direkten Umfeld des Bahnhofs. Positiv fiel auf, dass einige Geschäfte alternative Zugänge über Rampen im hinteren Bereich anbieten.
Doch es gibt auch Schattenseiten: In der Altstadt begegneten uns immer wieder Stufen vor Ladeneingängen. Ein Beispiel: Eine Apotheke mit vier Stufen – trotz Klingel werden Kund*innen im Rollstuhl draußen bedient. Bei Wind und Wetter keine würdige Lösung.
Ganz anders nur 100 Meter weiter:
Die Apotheke im ältesten Gebäude der Stadt der ehrwürdigen Löwe Apotheke am Markt 21 bietet eine fest installierte Rampe entlang des Hauses – ein starkes Beispiel für gelungene Teilhabe. Auch ein Rollstuhl WC ist im Gebäude vorhanden.
Eine kleine Pause gab’s natürlich auch – ein Eis auf dem Marktplatz durfte nicht fehlen.
Am Nachmittag: Inklusive Schule im Fokus
Um 14 Uhr folgte eine intensive Diskussion zum Thema Inklusion gemeinsam mit der stellvertretenden Schulleiterin der Friedrich-Dethloff-Schule Waren (Müritz), Sonja Groß, sowie Hanni Rossek (ABiD Mecklenburg-Vorpommern).
Nach rund 90 Minuten ging es gemeinsam weiter am Kurzentrum, entlang des Hafens bis zum Müritzeum.
Zum abendlichen Ausklang gab es ein Abendessen im barrierefreien Lokal Alt Waren – ein gelungener Abschluss eines intensiven Tages.
Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, um um 21:30 Uhr den RE5 zurück zu nehmen.
Um 22:20 Uhr waren wir schließlich wieder im Hotel in Neustrelitz.
Fazit des Tages: Waren (Müritz) zeigt viele gute Ansätze in Sachen Barrierefreiheit – besonders rund um den Bahnhof. Gleichzeitig wird deutlich: Es braucht nicht nur bauliche Maßnahmen, sondern auch mehr Sensibilität im Umgang mit Menschen mit Behinderung.