Neues Pflegegesetz stärkt barrierefreie Pflege
Berlin. Mit dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege ab 2026 sieht sich pro barrierefrei e.V. in seinen Zielen bestätigt: Pflegefachkräfte erhalten erweiterte Handlungsspielräume, während bürokratische Hürden reduziert werden sollen – ein wichtiger Schritt hin zu einer barrierefreien, patientenzentrierten Versorgung.
„Für uns ist entscheidend, dass Pflegekräfte die Zeit und Kompetenz haben, individuell auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Einschränkungen einzugehen“, erklärt Alexander Bieseke, Sprecher von pro barrierefrei e.V. Das Gesetz ermöglicht genau dies: Qualifizierte Pflegefachpersonen dürfen künftig eigenständig Maßnahmen durchführen, die bisher ärztlich angeordnet werden mussten, was insbesondere für Menschen mit Behinderungen oder eingeschränkter Mobilität von Vorteil ist.
Ein praktisches Beispiel aus der Praxis verdeutlicht den Nutzen: Eine Pflegefachkraft in einer stationären Einrichtung betreut einen Bewohner mit chronischer Beinwunde. Bisher musste jede Anpassung der Wundversorgung ärztlich angeordnet werden, was oft zu Verzögerungen führte. Künftig kann die Pflegefachkraft eigenständig reagieren, geeignete Materialien auswählen und das Pflegeintervall anpassen. pro barrierefrei e.V. betont: „Schnelle, bedarfsgerechte Entscheidungen sind gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen entscheidend, um Schmerzen zu vermeiden und Mobilität zu erhalten.“
Auch in der Versorgung chronisch erkrankter Menschen profitieren Pflegebedürftige: Eine Pflegefachkraft kann bei einem Bewohner mit Diabetes die Insulingabe eigenverantwortlich anpassen, wenn die Blutzuckerwerte schwanken. pro barrierefrei e.V. sieht hierin eine Chance, Barrieren für Patientinnen und Patienten zu reduzieren, da Wartezeiten auf ärztliche Anordnungen wegfallen und die Versorgung unmittelbar angepasst werden kann.
Das Gesetz trägt zudem zur Entbürokratisierung bei: Weniger Dokumentationsaufwand bedeutet mehr Zeit für direkte Pflege, inklusive individueller Unterstützung für Menschen mit Behinderungen. Auch die flexiblere Pflegeplanung, etwa bei akut veränderten Gesundheitszuständen, stärkt die Selbstbestimmung und Lebensqualität der Pflegebedürftigen.
pro barrierefrei e.V. begrüßt die Reform als wichtigen Schritt, fordert aber: „Die Umsetzung muss sicherstellen, dass alle Pflegeeinrichtungen barrierefrei arbeiten können – von baulichen Bedingungen bis hin zu digitalen Assistenzsystemen.“
Nur so könne die Befugniserweiterung die Qualität der Pflege für alle Menschen, unabhängig von Einschränkungen, nachhaltig verbessern.
Mit dem neuen Pflegegesetz wird Pflege nicht nur professioneller, sondern auch barrierefreier und patientenorientierter, so die zentrale Einschätzung von pro barrierefrei e.V.: mehr Verantwortung für Pflegekräfte, weniger Bürokratie, bessere Versorgung für alle.
Titelbild: pro barrierefrei e.V. vertreten auf der Rehacare 2025. v.l.: Andreas Gerold (Beisitzer und Schriftführer) Isabell (dauerhaft bettlägrig) und ihr Mann Michael sowie Alexander Bieseke, (Beisitzer und Pressesprecher.)