Alexander Bieseke
Schwerin. Die Anreise von Neustrelitz nach Schwerin verlief zunächst positiv. Einmal täglich fährt ein schneller Regionalexpress von Berlin über Neustrelitz bis nach Schwerin, den wir um 8:12 Uhr nutzen konnten. Der Einstieg war barrierefrei möglich – dank ausfahrbarer Rampe. Je nach Bahnsteighöhe wurden unterschiedliche Türen genutzt, was insgesamt gut funktionierte. Beim morgendlichen Frühstück konnten sich die Teilnehmenden der Schwerinfahrt zudem mit einem Lunchpaket eindecken, das Hotel stellte dafür Folientüten zur Verfügung.
Im Zug erwartete uns ein großzügiges Abteil, in dem problemlos zwei Rollstühle Platz fanden. Auch ein Rollstuhl-WC war vorhanden. Mit rund acht Minuten Verspätung erreichten wir Schwerin. Da wir angemeldet waren, wurden wir von freundlichen Bahnmitarbeitenden empfangen und in die Empfangshalle begleitet.


Schwerin, mit knapp 100.000 Einwohnern eine eher kleine Landeshauptstadt, verfügt dennoch über eine Straßenbahn. Diese nutzten wir vom Hauptbahnhof bis zum Marienplatz. Das Wetter zeigte sich zunächst regnerisch, mit der Hoffnung auf Besserung im Tagesverlauf.
Am Marienplatz trennte sich die Gruppe, um sich gegen 12:00 Uhr dort wieder zu treffen.
Gegen 12:30 Uhr begann die Demonstration zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Zunächst versammelten sich rund 100 Teilnehmende mit Blick auf das Schloss, später wuchs die Gruppe auf etwa 300 Personen an.
Startpunkt war der Bertha-Klingenberg-Platz. Von dort setzte sich der Demonstrationszug – begleitet von der Polizei – in Richtung Schlossplatz Schwerin in Bewegung. Ziel war es, Vertreterinnen und Vertretern des Landtags Mecklenburg-Vorpommern eine Schrift zu überreichen. Trotz des anhaltend leicht regnerischen Wetters war die Stimmung engagiert und entschlossen.
Im Anschluss an die Demonstration fand die gemeinsame Führung im Schweriner Dom statt. Zusammen mit den anderen Teilnehmenden erhielten wir eine informative Führung durch das nahezu 1000 Jahre alte Bauwerk.
Besonders hervorzuheben ist die gute Barrierefreiheit des Doms: Er ist befahrbar, selbst der Hochaltarbereich wurde mit einer Rampe erschlossen. Eine ausgestellte Urkunde von Heinrich der Löwe zur Domeinweihung machte die historische Bedeutung zusätzlich greifbar.
Nach der Führung im Dom verließ bereits ein Teil der Gruppe Schwerin, um nach Neustrelitz zurückzufahren, während andere noch die Umgebung rund um das Schloss mit ihrem besonderen Flair aus Wasser und historischer Architektur erkundeten.
Am Hauptbahnhof wurden wir erneut von DB-Mitarbeitenden unterstützt und zum Bahnsteig begleitet. Die Rückfahrt begann am frühen Abend mit Umstieg in Bad Kleinen. Dank funktionierender Aufzüge verlief der Gleiswechsel problemlos.
Über Rostock ging es weiter, wo wir uns noch mit Verpflegung für die letzte Etappe eindeckten.
Auffällig und besonders kritisch war die Weiterfahrt im RE5 von Rostock in Richtung Neubrandenburg. In diesem Zug war kein ausgewiesenes Rollstuhlabteil vorhanden. Stattdessen wurden wir über eine Rampe in das Fahrradabteil gebracht. Dort zeigte sich jedoch ein bislang nicht erlebter Zustand: Die Sitzreihe mit eigentlich flexibel nutzbaren Klappsitzen war durch einen Bügel sowie zwei Vorhängeschlösser blockiert und somit nicht verwendbar.
Dadurch entstand eine unnötige Einschränkung des ohnehin begrenzten Platzes im Zug. Die Konsequenz war deutlich spürbar: Die Begleitperson konnte nicht im selben Bereich bleiben und musste sich einen anderen Sitzplatz im Zug suchen. Eine gemeinsame Fahrt war damit nicht möglich.
Dieser Vorfall wirft grundlegende Fragen zur tatsächlichen Umsetzung von Barrierefreiheit im Regionalverkehr auf. Insbesondere im Hinblick auf flexible Nutzungsmöglichkeiten, ausreichend Platzangebot und die selbstverständliche Mitnahme von Begleitpersonen besteht hier deutlicher Verbesserungsbedarf.
Die letzte Etappe führte schließlich zurück nach Neustrelitz – mit gemischten Eindrücken: ein Tag, der sowohl positive Beispiele für gelungene Barrierefreiheit als auch klare Defizite im Alltag aufgezeigt hat.












