pro barrierefrei e.V. unterstützt die Kritik von Professor Volker Mall und fordert diskriminierungsfreie Kommunikation im Bahnverkehr


OWL 26.12.2025 – Eine öffentlich diskutierte Zugdurchsage der Deutschen Bahn hat erneut gezeigt, wie wenig Barrierefreiheit im Bahnverkehr noch als Selbstverständlichkeit verankert ist. In der Durchsage wurde eine weitere Verspätung damit begründet, dass „noch ein Rollstuhl eingeladen“ werden müsse.


Der Professor für Sozialpädiatrie Volker Mall, der sich seit vielen Jahren mit Inklusion und Teilhabe befasst, kritisierte diese Formulierung deutlich. Sie vermittle den Eindruck, dass die Mitnahme eines Menschen mit Behinderung eine zusätzliche Belastung sei – und damit nicht Teil des regulären Betriebs.
pro barrierefrei e.V. schließt sich dieser Kritik ausdrücklich an.


Nicht Menschen mit Behinderungen verursachen Verspätungen, sondern ein System, das Barrierefreiheit nicht konsequent mitplant“, erklärt der Verein. „Wenn barrierefreies Ein- und Aussteigen zusätzliche Zeit kostet, ist das ein strukturelles Problem – kein individuelles.“
Kein Einzelfall: Medien berichten über ähnliche Vorfälle
Dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt, zeigt auch die Berichterstattung der Neuen Westfälischen (NW). Dort wurde über eine Zugdurchsage berichtet, in der Menschen mit Behinderungen öffentlich mit einer Verspätung in Verbindung gebracht wurden. Betroffene fühlten sich dadurch stigmatisiert und als „Schuldige“ markiert.

Solche Vorfälle verdeutlichen ein grundsätzliches Problem: Fehlende Barrierefreiheit wird kommunikativ auf einzelne Menschen abgewälzt, statt als Aufgabe des Systems benannt zu werden.
Sprache ist nicht neutral
Durchsagen im öffentlichen Verkehr prägen die Wahrnehmung aller Mitreisenden.


Formulierungen, die Barrierefreiheit als Ursache von Problemen darstellen, fördern Ausgrenzung – auch dann, wenn sie nicht bewusst diskriminierend gemeint sind.
Eine inklusive Kommunikation würde den Fokus anders setzen, etwa:
Wir benötigen noch etwas Zeit für einen barrierefreien Einstieg. Vielen Dank für Ihr Verständnis.“
Damit wird der Vorgang erklärt, ohne Menschen mit Behinderungen zu problematisieren.


Forderungen von pro barrierefrei e.V.
pro barrierefrei e.V. fordert von Verkehrsunternehmen und Politik:
verbindliche Standards für diskriminierungsfreie und inklusive Durchsagen
regelmäßige Schulungen des Personals zu Barrierefreiheit und inklusiver Sprache
konsequente Anerkennung von Barrierefreiheit als Teil des Regelbetriebs
klare Verantwortungsübernahme für barrierefreie Infrastruktur und Abläufe

Die aktuellen Beispiele zeigen: Inklusion scheitert nicht nur an Technik, sondern auch an Haltung und Sprache.
Barrierefreiheit ist kein Entgegenkommen und keine Verzögerung – sie ist ein Menschenrecht.
pro barrierefrei e.V. setzt sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen im öffentlichen Verkehr nicht als Ausnahme oder Belastung wahrgenommen werden, sondern als gleichberechtigter Teil unserer Gesellschaft.

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