Betlin/Bad Driburg. Der  gemeinnützige Verein pro barrierefrei e.V. sieht die vorgelegten Eckpunkte des sogenannten Zukunftspakts Pflege durch das Bundesgesundheitsministerium kritisch. Zwar sei es grundsätzlich richtig, dass Bund und Länder eine Reform der Pflegeversicherung vorbereiten. Doch aus Sicht des Vereins bleiben zentrale Fragen der Barrierefreiheit und der Unterstützung pflegender Angehöriger bislang unzureichend berücksichtigt.

Ein wesentlicher Kritikpunkt betrifft die fehlende konsequente Verankerung von Barrierefreiheit im Reformkonzept. Barrierefreie Wohnungen, barrierefreie öffentliche Räume sowie barrierefreie Pflegeangebote sind entscheidende Voraussetzungen dafür, dass Menschen möglichst lange selbstständig leben können. Wer Pflegebedürftigkeit verhindern oder hinauszögern möchte, muss daher auch konsequent in barrierefreie Infrastruktur investieren. Ohne entsprechende Rahmenbedingungen werde das politische Ziel „ambulant vor stationär“ in vielen Fällen kaum umzusetzen sein.

Zugleich teilt der Verein die deutliche Kritik sozialer Verbände an möglichen Veränderungen bei der sogenannten Verhinderungspflege. Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe e. V. hat davor gewarnt, diese wichtige Leistung zu schwächen. Die Verhinderungspflege ermöglicht es pflegenden Angehörigen, eine Ersatzpflege zu organisieren, wenn sie selbst krank sind, Termine wahrnehmen müssen oder dringend eine Pause benötigen. Gerade für Familien mit Kindern oder Angehörigen mit Behinderungen ist diese Unterstützung eine unverzichtbare Entlastung.

Eine Einschränkung dieser Leistung würde aus Sicht von pro barrierefrei e.V. die Situation vieler pflegender Angehöriger weiter verschärfen. Schon heute leisten Millionen Menschen in Deutschland täglich Pflegearbeit – häufig über Jahre hinweg und oftmals unter großen persönlichen Belastungen.

Der Verein fordert deshalb, Barrierefreiheit als verbindliches Leitprinzip in der Pflegereform zu verankern. Dazu gehören eine deutlich stärkere Förderung barrierefreier Wohnraumanpassungen, klare Barrierefreiheitsstandards in Pflegeeinrichtungen sowie eine nachhaltige Stärkung der häuslichen Pflege.

„Pflegepolitik darf nicht nur über Finanzierung sprechen. Sie muss auch die Voraussetzungen schaffen, damit Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können“, erklärt pro barrierefrei e.V. Eine nachhaltige Pflegereform müsse daher Selbstbestimmung, Teilhabe und Barrierefreiheit konsequent mitdenken – und gleichzeitig pflegende Angehörige verlässlich entlasten.




Schlagworte:
Pflegereform, Zukunftspakt Pflege, Barrierefreiheit, Pflegepolitik, Verhinderungspflege, Angehörigenpflege, Teilhabe, Inklusion, Pflegeversicherung, Sozialpolitik

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